Fallakte 42-12-2025-CR: JAHRESRÜCKBLICK
Aktenzeichen: ZA 23-42/2025-007
Vorgangsnummer: 2342-2025-1225-033342
Fallnummer: 42-12-2025 CR
Betreff: Persönlicher Jahresrückblick
Ort: Selm / NRW
Zeitraum: Herbst 2024 bis Jahreswechsel 2025/26
Klassifizierung: spezialgelagerter Sonderfall
Kurzvermerk der Zentrale (Rocky Beach, Außenstelle Selm):
Die nachfolgende Niederschrift wurde von der betroffenen Person selbst verfasst. Sie wird als Originaldokument unverändert in die Fallakte aufgenommen. Inhalt: psychische Gesundheit, politisches Engagement, Ehrenamt, Familie, Fahrrad, IG Lichtblicke Demokratie und weitere relevante Ereignisse.
Status: laufender Prozess, Beobachtung fortsetzen.
Mein persönlicher Jahresrückblick – vom Herbst 2024 bis zum Jahreswechsel 2025/26
Wenn ich auf die letzten Monate zurückschaue, dann ist das kein „Alles war super“ Rückblick. Es ist eher die Art Geschichte, die man nicht im Hochglanz Magazin erzählt, aber genau deshalb zählt sie. Zählt sie für mich. Es geht um Depressionen, um meine Essstörung, um Rückschläge. Und gleichzeitig um Dinge, die mich getragen haben: Menschen, Engagement, Verantwortung und überraschend viel neue Lust auf das Leben.
Gesundheit: Depressionen & Essstörung – nicht wegreden, aber auch nicht kapitulieren.
Der Zeitraum ab September 2024 war für mich gesundheitlich ziemlich schwer. Depressionen und Binge Eating sind keine „schlechten Tage“, sondern ein zähes Ringen.
Und ja, das hat super viel Kraft gekostet, oft mehr, als nach außen hin sichtbar war.
Umso wichtiger war der Schritt, den ich im Juli 2025 gegangen bin. Ein geplanter Klinikaufenthalt in der LWL-Klinik Bochum, eine der wenigen Adressen in der Region, die mit Binge Eating wirklich arbeiten und umgehen können. Einen Platz zu bekommen, war nicht leicht, ich habe sieben Monate darauf gewartet. Aber es hat sich gelohnt. Ich blieb dann bis Anfang September. Es war sehr anstrengend, es war extrem intensiv, aber es war am Ende von Erfolg gekrönt.
In der LWL-Klinik Bochum habe ich ganz tolle Menschen kennengelernt. Ich nenne hier bewusst keine Namen, ich habe Angst, jemanden zu vergessen. Und ich möchte nicht, dass auch nur ein Mensch, mit dem ich dort eine richtig gute Zeit hatte, sich fragt, ob das irgendeinen Grund hat.
Ich habe die Menschen wirklich gern. Zumindest die, mit denen ich jeden Tag zu tun hatte und die mir so viel gegeben haben. Die in schweren Stunden da waren, die mit mir ausgehalten haben, und die genauso mit mir gelacht und geweint haben. Und dieses Lachen… vor allem bei den Spielen am Abend, das war oft die beste Medizin.
Wenn das hier jemand von euch liest: NARWAHL!
Kurz danach ging meine Frau in Reha und ich bin in eine situative Depression gerutscht. Scheiße gelaufen, ehrlich. Aber ich war nicht allein damit. Mit meiner Therapeutin, mit meiner Frau, mit Familie und Freund:innen bin ich da relativ schnell wieder rausgekommen. Nicht, weil ich „stark“ war, sondern weil ich Hilfe angenommen habe.
Kein gutes Fahrradjahr und mein „gelber Schatz“ auf der Ladefläche des Gelben Engels
So sehr ich das Radfahren liebe: Das Jahr 2025 war für mich leider kein gutes Fahrradjahr.
Erst fing es nicht gut an, und dann wurde es auch noch schlechter.
Der Höhepunkt war fast schon absurd: Der ADAC hat mich mitsamt Fahrrad nach Hause geschleppt. Mein gelber Schatz beim gelben Engel auf der Ladefläche.
Kein Bild für die Götter, Gefühl dabei eher so mittel.
Und ganz ehrlich: Das war für mich fast „einmal und nie wieder“. Zumindest so, wie es gelaufen ist. ADAC beim Auto? Da sind die gut. Beim Fahrrad haben sie aus meiner Sicht richtig viel Nachholbedarf. Ich habe mehrere Stunden auf den Fahrer gewartet.
Ich mein, das Wetter war okay, aber wenn es geregnet hätte, dann wäre ich bis auf die Haut nass gewesen.


Und dann der Transport, eine Katastrophe. Wenn das Rad neu gewesen wäre, hätte ich das so nicht akzeptiert. Da das Hinterrad ohnehin schon kaputt war, war’s „egal“, aber trotzdem hat der Rahmen Kratzer abbekommen. Nur zur Erinnerung: neu hätte ich es nicht abschleppen lassen.
Am Ende wurde das Rad dann doch noch repariert und kurz vor Weihnachten gab’s endlich wieder eine erste Tour nach der ADAC-Aktion. Von der Werkstatt in Lüdinghausen nach Hause.
Allein die Geschichte mit mir und der Werkstatt, bis wir zusammengekommen sind, das wäre schon ein langer Artikel. Aber das erzähle ich als Funfact lieber persönlich. Am Ende war das Fahrrad fertig und ich bin glücklich, dass es wieder da ist.
Politik & Haltung – Eintritt bei den Grünen und dann ging’s los
Seit Ende 2024 bin ich Mitglied bei den Grünen in Selm. Ich habe mich im Bundestagswahlkampf eingebracht. Und nach dem Bundestagswahlkampf war direkt klar: Nach dem Wahlkampf ist vor dem Wahlkampf. Also ging’s weiter mit Planung, Organisation, Absprachen im Kommunalwahlkampfmodus. Am Ende stand da ein Ergebnis, über das ich mich schon gefreut habe, allerdings war das nicht wirklich mein Plan gewesen. Aber Listenplatz 3 hat gereicht, um über die Ersatzliste in den Rat der Stadt Selm gewählt zu werden.
Jetzt heißt es: das Beste draus machen. Und ja: Ich freue mich auf die nächsten 5 Jahre. (Okay, es sind nicht mehr ganz fünf.)
IG Lichtblicke Demokratie – Aus Skepsis wurde Vertrauen und dann sichtbarer Aktivismus
Was mich das ganze Jahr begleitet, sind die IG Lichtblicke Demokratie.
Bei der ersten Demo war ich noch nicht dabei, aber beim ersten offiziellen Treffen im Lumber Jack’s Diner.
Und ich packe hier mal einen Fun Fact aus: Als ich das erste Mal von der IG gelesen habe, eine Einladung zum Mitmachen, da war ich erstmal skeptisch. Mein erster Gedanke war wirklich: „Hoffentlich sind das keine Schwurbler/Impfgegner oder so…“ Entsprechend vorsichtig bin ich auch zum ersten Stammtisch gegangen.
Zum Glück lag ich damit aber komplett daneben. Da sind tolle Menschen. Engagiert und herzlich. Man möge mir diese Offenheit verzeihen.
Die erste Mahnwache am Bürgerhaus Selm wurde von den vier Gründer:innen organisiert.
Am 23.01.2025 gab’s dann das erste Gruppentreffen im Lumber Jack’s Diner.
Und als Gruppe wurde dann auch die nächste Aktion am 09.02.2025 am Bürgerhaus Selm geplant.
Wenn du mehr über die IG Lichtblicke wissen möchtest oder sogar zu einem Treffen kommen möchtest, dann bist du herzlich eingeladen, vorbeizukommen. Schau am besten mal auf unserer Webseite vorbei.
Schöffenamt: Verantwortung und Kontinuität
Ich habe 2025 zwei Verfahren als Schöffe verhandelt. Der erste Fall war eine Einbruchsserie. Der zweite ein versuchter Totschlag. Das sind Dinge, die man nicht einfach abstreift.
Und dann kam die Tage ein Brief vom Landgericht Dortmund, über den ich mich echt gefreut habe: Für 2026 bin ich ein zweites Mal hintereinander derselben Kammer am Landgericht Dortmund zugelost worden. Ich finde das persönlich richtig gut.
Betriebsrat: gute und sinnvolle Arbeit, aber ich muss mich auch schützen
Ich habe mich dieses Jahr als Betriebsrat weitergebildet, zum Thema psychische Belastung am Arbeitsplatz. Das hilft mir nicht nur im Gremium, sondern auch als betrieblicher Depressionsbegleiter.
Aber es ist nicht nur Positives passiert als Betriebsrat. 2026 sind turnusmäßig wieder Betriebsratswahlen (alle vier Jahre). Ich habe für mich entschieden: Ich gebe das Amt nicht komplett auf, aber ich werde einen Listenplatz wählen, bei dem ich sehr wahrscheinlich nur noch Ersatzmitglied bin.
Das war keine leichte Entscheidung. Aber was ich in den letzten Jahren gelernt habe: Ich muss mich von Menschen fernhalten, die mir nicht guttun. Dieses ständige Abwerten von Personen, dieses permanente Fordern von „Konsequenzen!“ und dann null Beitrag zur Lösung beitragen, dass nervt mich nicht nur, es zieht mich manchmal ziemlich stark runter. Und bei mir kann es am Ende dazu führen, dass meine Depression immer wieder aufs neue angefeuert wird. Dazu kommt noch: Es ist verdammt anstrengend, solchen Leuten dauernd zuhören zu müssen.
Ich muss mich schützen. Und ein Weg, mich da rauszunehmen, ist genau dieser Rückzug. Sonst sage ich irgendwann Dinge, die ich hinterher nicht bereue.
Die Arbeit als Betriebsrat ist wichtig. Betriebsräte sind extrem wichtig. Aber ich habe für mich entschieden: Ich muss mich aus diesem Gremium zurückziehen. Bis zur Neuwahl mache ich meine Arbeit weiter, und danach schaue ich, wie es für mich gesund weitergeht.
Falls mein Listenplatz doch nicht weit genug hinten liegt und ich trotzdem wieder in dieses Gremium gewählt werde, ja, dann muss ich schauen, wie ich mit diesen Menschen umgehen werde die mir nicht guttun. Aber so lange halte ich erstmal die Füße still und wenn alles so läuft, wie ich das für mich geplant habe, dann bin ich nicht ganz raus, sondern noch als Ersatzmitglied bei der einen oder anderen Sitzung mit dabei.
Selm & Begegnungen: Stadtfest und das Gefühl, dazuzugehören
Beim Stadtfest in Selm war ich zum ersten Mal dabei. Erst am Stand bei den Grünen, danach bei der IG Lichtblicke. Das klingt erstmal nach wenig, war für mich aber ziemlich anstrengend.
Rollenspiel-Comeback – D&D hat mich wieder gekriegt.
Zwischen all dem Ernsthaften ist etwas passiert, womit ich so nicht gerechnet habe.
Ich habe wieder richtig Geschmack an Pen & Paper gefunden.
Ein supernetter Rollenspielabend bei Toni und Sascha, der auch Spielleiter war, war einfach top. Die beiden haben mich angesteckt. Danke dafür :-*
Was ich aus diesem Jahr mitnehme
Dieses Jahr war nicht immer nett zu mir. Aber am Ende muss ich sagen: Es war trotzdem ein sehr ereignisreiches Jahr, das mich gefordert hat, aber das mich auch mit neuen Menschen zusammengebracht hat. Ein Jahr, das auch viel Freude zu bieten hatte.
Engagement ist manchmal anstrengend, und ich komme nicht immer so voran, wie ich es mir erhofft habe. Manchmal muss ich Kompromisse eingehen, und manchmal muss ich mich auch komplett zurücknehmen, weil meine Ideen keinen Anklang finden. Das ist für mich nicht immer einfach, gerade wenn ich eh mit Selbstzweifel zu kämpfen habe, aber am Ende zahlt es sich meistens aus in der politischen Arbeit. Ob in der Partei oder bei der IG Lichtblicke.
Verantwortung kann schwer sein, aber sie gibt dem Leben Sinn. Ich schwimme nicht mit der Menge und gehe darin unter, ich setze Akzente. Mal sehr kleine und manchmal vielleicht auch größere.
Familie, Freund:innen und andere tolle Menschen sind keine Selbstverständlichkeit, sondern tragende Elemente in meinem Leben.
Ich gehe in das kommende Jahr nicht mit der Erwartung, dass alles leicht wird. Aber mit dem Gefühl, dass ich Wege gefunden habe, die tragen. Und mit dem Wunsch, weiter sichtbar zu sein – für mich, für andere und für das, was mir wichtig ist.
Und was in dem langen Text nicht steht, aber mit zu den wichtigsten Dingen in meinem Leben zählt: mein Enkelkind! Und im nächsten Jahr kommt noch mehr Nachwuchs. Das wird eine aufregende Zeit und ich freue mich riesig, diese kleinen Menschen ein Stück ihres Weges zu begleiten.
Was bleibt also zum Abschluss noch zu sagen?
Ich freue mich auf
Auf gute Freunde,
Auf alte Zeiten,
Auf klare Worte,
Und auf neue Ziele,
Auf den ganz normalen Wahnsinn,
Auf das, was einmal war,
Darauf, dass alles endet,
Und auf ein neues Jahr,
Auf ein neues Jahr!
„Slàinte mhath“

(ausgesprochen: slahnje vay – und wird mit „Slàinte“ erwiedert)
