Heute mal was anderes – heute geht es um Digitales, um Privatsphäre und Freiheitsrechte.

Digitales, Privatsphäre und Freiheitsrechte

Warum ich das Tor-Netzwerk nutze – und warum du es auch tun solltest

Das Internet sollte ein für alle zugänglicher Raum sein, frei, anonym und zensurfrei.
Damit meine ich aber keineswegs einen rechtsfreien Raum, in dem Menschen beleidigt oder bedroht werden und Mobbing erfahren müssen.

Leider sieht die Realität in vielen Ländern (und auch bei uns) anders aus: Überwachung, Tracking, Netzsperren und zunehmende Kontrolle bestimmen das Netz. Genau hier setzt das Tor-Projekt an, und genau deshalb unterstütze ich es aktiv.

Was ist das Tor-Netzwerk?

Tor steht für „The Onion Router“. Es ist ein dezentrales Netzwerk, das deinen Internetverkehr über drei zufällig gewählte Knotenpunkte leitet und ihn dabei mehrfach verschlüsselt …

Wie die Schichten einer Zwiebel – englisch Onion.

So wird es fast unmöglich nachzuvollziehen, wer du bist, woher du kommst und wohin du surfst.

– Das bedeutet konkret:
– Deine IP-Adresse bleibt verborgen
– Dein Standort ist nicht nachvollziehbar
– Du kannst Zensur und Netzsperren umgehen
– Du schützt deine Privatsphäre – und das ist kein Verbrechen!

Aber hier muss man ganz klar sagen und eine Warnung aussprechen: Tor stellt nur einen Teil der technische Seite der Anonymisierung da. Möchte man anonym bleiben, muss man sich auch so verhalten. Also nicht bei seinem E-Mail Anbieter einloggen oder sich bei einer Tageszeitung einloggen. Nur Seiten mit https nutzen, oder *.onion Seiten. Immer wenn du dich zu erkennen gibst, ob es dein mit dir verknüpfter Benutzername auf irgendeiner Internetseite ist oder du in einem Chat deinen realen Namen bekannt gibst, dann bist du deanonymisiert. Das muss einem klar sein. Tor ist die eine Seite, dein Verhalten die andere.

Wie ich Tor nutze

Ich nutze regelmäßig den Tor Browser auf dem Rechner, aber auch die App Orbot auf dem Smartphone. Orbot leitet meinen mobilen Internetverkehr über das Tor-Netzwerk.

Und es wird noch besser: Ich stelle damit anderen Menschen Zugang zu Tor zur Verfügung.

Snowflake – digitale Solidarität für ein freies Internet

Snowflake – digitale Solidarität per Klick

Ein besonderes Projekt innerhalb von Tor ist Snowflake. Damit kannst du ganz einfach Menschen helfen, die in Ländern leben, in denen das offene Internet blockiert oder zensiert ist (z. B. Iran, China, Russland).

Snowflake verwandelt dein Gerät in eine temporäre Proxy-Brücke, völlig anonym, automatisch und ohne, dass du dabei selbst auf Inhalte zugreifst. Du bist einfach ein kleiner Baustein für digitale Freiheit.

Ich nutze dafür Orbot auf meinem Smartphone, um genau das zu tun. Es läuft im Hintergrund, verbraucht kaum Ressourcen (Allerdings Datenvolumen, deswegen nutze ich es nur im WiFi) aber kann für andere einen riesigen Unterschied machen.

Aber benutzen das nicht auch Kriminelle?

Ja. Kriminelle nutzen Tor. Genauso wie sie Telefone, E-Mail, Bargeld, Brotmesser und öffentliche Straßen nutzen. Nichts davon wird verboten weil es Kriminelle nutzen. Wieso auch?

Der Begriff „Darknet“ wird oft missbraucht, um Angst zu machen. Als wäre alles, was nicht bei Google auffindbar ist, automatisch kriminell. Dabei bedeutet „Darknet“ nur: nicht indexiert, nicht öffentlich zugänglich. Das kann ein Blog in China sein, ein anonymer Briefkasten für Whistleblower oder ein Forum für queere Menschen in einem Land, in dem ihre Existenz verboten ist.

Kurze Fakten zur Einordnung:

Tor ist ein Werkzeug – neutral wie ein Brotmesser oder ein Auto.
Die allermeisten Tor-Nutzer:innen sind keine Kriminellen, sondern:
Menschen, die in autoritären Staaten leben
Journalist:innen, Aktivist:innen, Jurist:innen
Betroffene häuslicher Gewalt
LGBTQ+-Personen
Forscher:innen, Whistleblower, Lehrer:innen
Menschen, die einfach ihre Ruhe vor Tracking und Überwachung haben wollen

Warum ich Tor trotzdem unterstütze

Wenn Kriminelle ein Werkzeug nutzen, dann bekämpfe ich nicht das Werkzeug, sondern die Kriminalität selbst, mit Rechtsstaatlichkeit, Aufklärung und Prävention.

Wenn wir anfangen, alle Formen von Anonymität zu verbieten, nur weil sie auch missbraucht werden können, dann vernichten wir die Grundlagen unserer Demokratie, der Pressefreiheit, der Meinungsfreiheit und des politischen Widerstands.

Ich unterstütze Tor nicht, weil ich etwas zu verbergen habe, nein, ich schütze mit Tor meine Privatsphäre! Und ich schütze andere Menschen, die etwas zu verlieren haben, wenn ihre Privatsphäre nicht geschützt wird: ihre Freiheit, ihre Sicherheit, ihr Leben.

Was du tun kannst

Was DU tun kannst?

Nutze den Tor Browser für deine Recherchen
Installiere Orbot oder das Snowflake-Browser-Add-on
Informiere andere Menschen in deiner Umgebung über Tor und Snowflake
Unterstütze das Projekt mit Spenden oder als freiwillige:r Relay-Betreiber:in
(ACHTUNG! Beim Betrieb eines Exit Knoten kann sehr viel Arbeit auf dich zukommen sowie rechtliche Probleme)

Dezentral denken – digital frei handeln

Das Tor-Netzwerk ist nicht nur ein technisches Werkzeug, es ist auch ein Plädoyer für Dezentralität und Selbstbestimmung im Netz. Denn eines ist klar: Je zentralisierter ein Netzwerk ist, desto anfälliger ist es für Kontrolle, Überwachung und Missbrauch.

Tor ist dezentral. Snowflake ist dezentral. Und genau deshalb sind sie widerstandsfähig.

Wir brauchen mehr dezentrale Strukturen:

für ein offenes, demokratisches Internet
für Alternativen zu Konzernen wie Meta, Google, Apple oder Microsoft
für mehr digitale Souveränität

Warum das Fediverse & offene Formate wichtig sind

Ich wünsche mir mehr Menschen im Fediverse (z. B. Mastodon statt Twitter/X), in offenen Strukturen (z. B. Matrix statt WhatsApp) und mit freier Software (z. B. Firefox statt Edge/Chrome). Denn:

Dezentrale Netzwerke geben mehr Kontrolle in die Hände der Community
Man kann besser blocken und filtern – auch ganze Instanzen
Die Daten gehören dir – nicht irgendeiner Firma
Es ist nicht profitgetrieben, sondern gemeinwohlorientiert

Klarnamenpflicht? Funktioniert nicht

Die Forderung nach einer Klarnamenpflicht im Netz kommt immer wieder, und sie ist gefährlich naiv. Denn:

Sie schützt nicht vor Trollen, sondern schadet Schutzbedürftigen
Sie ist leicht zu umgehen
Sie bringt Whistleblower, Aktivist:innen und gefährdete Menschen in Gefahr

Was wirklich hilft:

digitale Bildung
dezentrale Alternativen
gute Moderation durch Communities

Mein Appell

Wenn du willst, dass das Internet frei bleibt, wenn du willst, dass Menschen in Diktaturen eine Stimme behalten, wenn du nicht akzeptieren willst, dass Konzerne dein digitales Leben kontrollieren, dann unterstütze Projekte wie Tor, Tails, das Fediverse und freie Software.

Dezentral heißt nicht chaotisch – es heißt: demokratisch, widerstandsfähig und fair.

Links & Quellen

https://www.torproject.org

https://snowflake.torproject.org

https://tails.boum.org

https://guardianproject.info/apps/orbot

https://digitalcourage.de

https://privacy-handbuch.de

https://prism-break.org/de

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