Landesdemokratiekonferenz 2026 – KI, Rassismus und ein Laptopverbot
Mein Bericht von der Landesdemokratiekonferenz am 06.11.2026 im Landtag NRW in Düsseldorf, gleichzeitig mein Bericht für die IG Lichtblicke Selm.
Am 06.11. war ich im nordrhein-westfälischen Landtag in Düsseldorf. Ich hatte mich als Mitglied der IG Lichtblicke Demokratie Selm zur Landesdemokratiekonferenz 2026 angemeldet.
Unter dem Titel „Präventionspraxis im digitalen Wandel“ ging es um die Herausforderungen, die Digitalisierung, Desinformation und künstliche Intelligenz für unsere Demokratie und die Präventionsarbeit mit sich bringen.
Mich interessiert dieses Thema nicht nur wegen meiner Begeisterung für Technik, sondern vor allem wegen meines Engagements für Demokratie und gegen Rechtsextremismus.
Denn der digitale Raum ist längst kein gesellschaftlicher Nebenkriegsschauplatz mehr. Hier werden politische Meinungen geprägt, Falschinformationen verbreitet und Menschen radikalisiert. Gleichzeitig entstehen neue Möglichkeiten, diesen Entwicklungen entgegenzutreten.
Digitalisierung im Landtag NRW – aber bitte ohne Laptop 🙂
Was mich gleich zu Beginn etwas gewundert hat, als ich im Plenarsaal des Landtags Platz genommen und meinen Laptop auf den Tisch gestellt hatte, wurde ich aufgefordert, ihn wieder wegzustellen.
Eine Konferenz zum Thema „Demokratie im digitalen Wandel“, aber einen Laptop für Notizen durfte ich nicht benutzen?
Anscheinend bedeutet Digitalisierung hier, dass man seine Notizen entweder auf dem Smartphone macht oder doch wieder auf Papier und Stift zurückgreift. Nun, mein Smartphone war mir dafür zu klein und Papier und Stift hatte ich nicht dabei. Also blieb mir nichts anderes übrig, als einfach zuzuhören. Das war natürlich trotzdem interessant.
Allerdings frage ich mich schon, warum ausgerechnet bei einer Veranstaltung zum digitalen Wandel ein Laptop nicht genutzt werden durfte. Vielleicht habe ich etwas falsch verstanden. Vielleicht gibt es dafür auch gute Gründe, die sich mir nicht erschlossen haben. Oder meine Erwartungen an die Digitalisierung sind einfach zu hoch. Nun, hier und Heute werdet ihr und ich es nicht erfahren.
CeMAS: Radikalisierung, Desinformation und die Krise der Öffentlichkeit
Nach der Begrüßung durch Landtagspräsident André Kuper und anschließend durch Rana Aydin-Kandler, die Leiterin des Demokratiezentrums NRW, gab es zunächst einige Änderungen im Programm.
Der für 10:15 Uhr vorgesehene Impuls fand nicht statt. Auch der angekündigte Beitrag von HateAid entfiel.
Die Keynote „Strukturkrise der Öffentlichkeit: Digitale Dynamiken zwischen Radikalisierung, Desinformation und Mobilisierung“ von Corinne Heuer und Lisa Johanne Jacobs fand dagegen statt.
Beide arbeiten beim Center für Monitoring, Analyse und Strategie (CeMAS), das unter anderem zu Rechtsextremismus, Desinformation, Antisemitismus und Verschwörungsideologien forscht.
Ein interessantes und wichtiges Thema. Soziale Netzwerke und ihre Algorithmen beeinflussen zunehmend, welche Informationen uns erreichen, wie politische Meinungen entstehen und wie extremistische Akteure Menschen mobilisieren.
Gerade für Menschen, die sich vor Ort gegen Rechtsextremismus engagieren, halte ich es für wichtig, diese Entwicklungen besser zu verstehen.
Ich würde mich deshalb gerne noch intensiver mit dem Vortrag beschäftigen und hoffe, die Präsentation im Nachgang zu erhalten. Einige Inhalte möchte ich mir gerne noch einmal in Ruhe anschauen. Vor allem weil die Akustik an dem Platz an dem ich saß, so gar nicht gut war.
YOUNA – künstliche Intelligenz als Ersthilfe bei Rassismus
Am Nachmittag besuchte ich den Gesprächsraum „KI gegen Rassismus?!“.
Ehrlich gesagt hatte ich erwartet, dass es dort etwas technischer zugehen würde. Das war allerdings nicht der Fall. Was aber voll okay ist, am Ende zählt ja nur, das ich was für mich mitnehmen kann.
Zunächst stellte Yamundao Bah das Projekt YOUNA – KI-gestützte Ersthilfe bei Rassismus vor. Anschließend berichtete Regina Gahbler von der Opferberatung Rheinland über ihre Arbeit.
YOUNA ist ein KI-gestütztes Angebot für Menschen, die rassistische Erfahrungen gemacht haben. Es soll helfen, Erlebnisse einzuordnen, erste Orientierung zu finden und mögliche weitere Schritte aufzuzeigen.
Anschließend entwickelte sich zwischen den beiden Frauen ein Gespräch, bei dem Regina Gahbler gewissermaßen die Rolle der Interviewerin übernahm und Yamundao Bah verschiedene Fragen zu YOUNA stellte.
Dabei ging es vor allem um die Möglichkeiten, aber auch um die Gefahren und Grenzen einer solchen KI-Anwendung.
Ich fand diese Art der Vorstellung gut. Auch wenn ich mir ursprünglich etwas mehr technische Informationen erhofft hatte, war das Gespräch sehr interessant.
Empathie, Halluzinationen und die Grenzen künstlicher Intelligenz
Nach dem Gespräch gab es noch einige Fragen und Beiträge aus dem Plenum.
Eine Frage fand ich besonders spannend: Ist es eigentlich in Ordnung, wenn eine KI so antwortet, als hätte sie selbst Gefühle?
Zum Beispiel mit einem Satz wie: „Ja, ich kann dich gut verstehen.“
Denn eigentlich kann eine KI das nicht. Sie hat keine eigenen Gefühle und kann auch nicht auf persönliche Erfahrungen mit Rassismus zurückgreifen. Andererseits kann so eine Formulierung für jemanden, der gerade etwas Belastendes erlebt hat, durchaus hilfreich sein. Wo ist also die Grenze zwischen einer hilfreichen, empathisch wirkenden Antwort und der Gefahr, einem Menschen etwas vorzumachen?
Ein weiteres Thema waren die sogenannten KI-Halluzinationen. Damit sind Antworten gemeint, die überzeugend klingen, aber sachlich falsch sind. Gerade wenn es um Diskriminierung, persönliche Erfahrungen oder möglicherweise sogar rechtliche Fragen geht, kann das natürlich problematisch werden.
Ein Beitrag beschäftigte sich außerdem kritisch mit der Gefahr, dass Menschen eine solche KI möglicherweise als Ersatz für eine Psychotherapie betrachten könnten. Diese Bedenken kann ich nachvollziehen. Wenn eine KI jederzeit erreichbar ist, geduldig antwortet und scheinbar Verständnis zeigt, besteht natürlich die Gefahr, dass Menschen ihr mehr zutrauen, als sie tatsächlich leisten kann.
YOUNA soll deshalb eine erste Anlaufstelle sein und keine professionelle Beratung oder Therapie ersetzen.
Missbrauch durch rechte Akteure und technische Fragen zu YOUNA
Interessant fand ich außerdem, dass YOUNA offenbar auch von Menschen aus dem rechten Spektrum missbräuchlich genutzt wird, die gezielt Fake-Anfragen stellen. Das ist zwar ärgerlich, überrascht mich aber nicht wirklich.
Auf die Frage, wie häufig YOUNA genutzt wird, nannte Yamundao Bah eine Größenordnung von ungefähr 50 bis 70 Anfragen pro Woche. Dabei sagte sie allerdings auch, dass ihr die aktuellen Zahlen nicht vorlagen. Es handelt sich also ausdrücklich um eine grobe Einschätzung.
Was ich für meine Demokratiearbeit in Selm mitnehme
Für mich war die Vorstellung von YOUNA ein sehr interessanter Teile der Konferenz. Und ich habe etwas mitgenommen, das ich auch ganz praktisch nutzen kann. Wenn ich zukünftig mitbekomme, dass ein Mensch rassistisch angegangen wird, oder wenn mir jemand von rassistischen Erfahrungen erzählt, kann ich zumindest auf dieses Projekt aufmerksam machen. Aber auch anderen Menschen davon erzählen die nicht von Rassismus betroffen sind. Auch wenn du selbst keinen Rassismus erlebst, kannst du YOUNA nutzen, um Betroffene solidarisch zu unterstützen.
YOUNA bietet die Möglichkeit, zunächst einmal über das Erlebte zu sprechen, die Situation einzuordnen und sich über weitere Hilfsmöglichkeiten zu informieren. Dass danach möglicherweise noch die Unterstützung durch eine reale Person notwendig ist, bleibt davon natürlich unberührt.
Ich bin nun einmal ein weißer, älterer Mann. Und ich halte mich nicht unbedingt für den Richtigen, um einem Menschen, der Rassismus erlebt hat, zu erklären, wie er mit diesen Erfahrungen umgehen soll. Damit möchte ich keineswegs anderen weißen Menschen absprechen, dass sie empathisch genug sein können, um zuzuhören, Unterstützung anzubieten oder jemanden vor weiteren Übergriffen zu schützen. Ganz im Gegenteil. Das sollten wir selbstverständlich tun. Aber Rassismus ist nun einmal etwas, das ich als weißer Mann nicht aus eigener Betroffenheit kenne. Und ich finde, das sollte man bei seinen Ratschlägen berücksichtigen.
Zuhören, ernst nehmen, nicht wegschauen und bei Bedarf helfen, dass kann und sollte ich tun.
Und wenn ich zusätzlich ein Projekt wie YOUNA empfehlen kann, das speziell für solche Situationen entwickelt wurde, dann ist das doch schon einmal etwas.
Mein Fazit zur Landesdemokratiekonferenz 2026
Alles in allem war es ein interessanter Tag, auch wenn ich mir unter der Veranstaltung teilweise etwas anderes vorgestellt hatte. Ich hatte den Eindruck, dass die Konferenz vor allem ein Vernetzungstreffen für Menschen war, die sich hauptberuflich mit Demokratiearbeit, Prävention und den damit verbundenen Themen beschäftigen. Zumindest waren die Menschen, bei denen ich etwas über ihren Hintergrund mitbekommen habe, überwiegend aus beruflichen Gründen dort.
Ob man als Mitglied eines lokalen Bürgerbündnisses bei einer solchen Veranstaltung wirklich richtig aufgehoben ist, weiß ich deshalb nicht so genau. Allerdings möchte ich auch nicht ausschließen, dass das eher an mir liegt. Ich bin nun einmal nicht der geborene Netzwerker. Mich einfach zu fremden Menschen zu stellen und Gespräche anzufangen, vor allem wenn ich als Laie dazustoße und ich mich Menschen die das Professionell machen unterhalten muss, gehört das nicht gerade zu meinen großen Stärken.
Vielleicht hätte jemand anderes aus unserer Initiative die Möglichkeiten zum Austausch deutlich besser genutzt. Mag sein, aber am Ende zählt für mich, ob ich etwas aus einer solchen Veranstaltung mitnehmen konnte. Und das konnte ich durchaus. Ich habe ein interessantes Projekt kennengelernt, einige Denkanstöße bekommen und mich noch einmal intensiver mit den Möglichkeiten und Risiken künstlicher Intelligenz in der Demokratiearbeit beschäftigt.
Für mich bleibt dabei eine Überzeugung besonders wichtig:
Demokratie wird nicht durch Algorithmen verteidigt, sondern durch Menschen.
Menschen, die Haltung zeigen, widersprechen, wenn andere ausgegrenzt werden, und Verantwortung übernehmen. Wenn uns künstliche Intelligenz dabei unterstützen kann, sollten wir diese Möglichkeiten nutzen. Aber sie darf die menschliche Verantwortung nicht ersetzen. Und vielleicht ist das auch schon mein wichtigstes Fazit dieses Tages: Ich muss nicht von jeder Veranstaltung mit einem Stapel Visitenkarten oder neuen Kontakten nach Hause kommen. Manchmal reicht es auch, wenn man mit ein paar neuen Gedanken und einer ganz konkreten Idee zurückkommt, die man beim nächsten Mal vielleicht gebrauchen kann.
Weiterführende Informationen und Quellen
- Bericht des Landtags NRW zur Demokratiekonferenz 2026
- CeMAS – Center für Monitoring, Analyse und Strategie
- Corinne Heuer – CeMAS
- Lisa Johanne Jacobs – CeMAS
- YOUNA – Ersthilfe bei Rassismus
Dieser Beitrag gibt meine persönlichen Eindrücke von der Landesdemokratiekonferenz wieder und ist zugleich mein Bericht für die IG Lichtblicke Selm.
Der Inhalt, die persönlichen Erfahrungen und die geäußerten Meinungen stammen ausschließlich von mir. Bei der sprachlichen Ausarbeitung habe ich künstliche Intelligenz (ChatGPT) als Formulierungshilfe genutzt. Der gesamte Text wurde von mir vor der Veröffentlichung sorgfältig gelesen, überprüft, korrigiert und an meine eigenen Vorstellungen angepasst. Die inhaltliche Verantwortung liegt vollständig bei mir als Autor.
